„Der bedrohte Boden – Ein Expertentext aus sozialethischer Perspektive zum Schutz des Bodens“ lautet der Titel eines Papiers, das die Bischofskonferenz am 5. Oktober vorgestellt hat. Ein Papier, in dem mehr Brisanz steckt, als es der eher nüchterne Titel vermuten lässt, – wenn es denn gelesen und beherzigt wird.
Es sind im Grunde keine neuen Erkenntnisse, die hier zusammengetragen sind, knapp und dennoch umfassend und fachlich kompetent. Stellenweise ist der Text sehr anschaulich, wenn es etwa heißt, dass hierzulande täglich 100 Fußballfelder Boden versiegelt oder überbaut werden oder es 2000 Jahre dauert, bis sich 10 Zentimeter Humus gebildet haben.
Das sagt dem Nicht-Fachmann mehr als absolute Zahlen und bietet zumindest die Chance, dass das Papier von Experten nicht nur ein Papier für Experten bleibt. In einer Zeit, die nur allzu gerne bereit ist, für vage Zukunftsversprechen, kurzfristige Trends oder um des schnellen Profits willen Bewährtes und über lange Zeit Gewachsenes aufzugeben oder zu zerstören, ist es zudem verdienstvoll, solche Dimensionen verständlich aufzuzeigen.
Auch die aufgezeigten Konsequenzen beziehungsweise angemahnten Verhaltensänderungen sind nicht neu. Sie decken sich mit dem, was Papst Franziskus in „Laudato si“ formuliert und gefordert hat. Und wie der Papst stellt auch das Papier klar, dass es nicht um irgendwelche utopischen Ideen von besonders ökologisch eingestellten Zeitgenossen geht, sondern um die Grundlagen, um (weltweite) Gerechtigkeit, um die Zukunft, ja das Überleben der Menschheit.
Nun werden wohl nicht alle die theologische Grundlegung, dass die Erde Gottes Eigentum und den Menschen – allen Menschen aller Generationen wohlgemerkt – nur geliehen sei, teilen oder der auf der katholischen Soziallehre gründenden Argumentation folgen. Die Schlagkraft der in dem Text gesammelten Erkenntnisse und der daraus gezogenen Schlüsse schmälert das nicht.
WOLFGANG BULLIN
