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Kopf und Herz heben lassen

Vielleicht macht das Evangelium ja auch das deutlich. Die Witwe braucht den Richter. Allein kann sie es nicht. Gott bietet seine Treue an.

Evangelium

In jener Zeit sagte Jesus zu seinen Jüngern durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden? Lukas 18,1–8   Ich weiß noch, wie mein Vater mich manchmal frotzelte, wenn ich so dasaß – den Kopf auf beide Arme gestützt. Meistens hat er dann gesagt: „Ich muss mal schauen, ob ich ein starkes Holz finde.“ Wenn ich dann fragte, wofür, schmunzelte er: „Na, um deinen Kopf zu stützen.“   Meistens hat mich das wieder herausgerissen aus irgendwelchen trüben Gedanken, die mir den Kopf schwer gemacht hatten und die der Grund waren, warum ich so dasaß.   Manchmal kann man sich ja noch selber stützen – aber oft führt das nicht weiter. Du brauchst noch eine andere Stütze. In der Lesung ist das wunderschön anschaulich beschrieben. Mose bekommt seine Arme gestützt, denn wenn er sie sinken lässt, dann ist das Volk auf der Verliererstraße.
Bei uns ist das genauso. Bloß alleine kannst du den Kopf und die Arme nicht immer hochhalten. Mich mahnt die Lesung, denn oft genug meine ich, ich könne es selber – und dann sitze ich da, den Kopf in die Arme gestützt, und das Hochhalten ist irgendwie doch zu schwer. Und die Lesung ermuntert mich auch, die Augen aufzumachen und dankbarer zu sein für kleine Momente des Stützens, wie ich sie zum Beispiel mit meinem Vater erleben durfte.   Freilich musst du dann auch dein Leben wieder in die Hand nehmen und darfst dich nicht unterkriegen lassen. Und das kannst du viel leichter, wenn du die innere Stärke hast, die im Evangelium von der Witwe erzählt wird.
Wo kriege ich diese Stärke her? Vielleicht macht das Evangelium ja auch das deutlich. Die Witwe braucht den Richter. Allein kann sie es nicht. Gott bietet seine Treue an. Und wenn schon ein Richter, der eigentlich nicht will, für sie eintritt, ihr Anliegen aufgreift, um wie viel mehr Gott, von dem wir gläubig bekennen, dass er will. Stark sein kann ich, weil ich mich auf Ihn verlassen will und auch darf. Und selbst wenn ich scheinbar immer wieder kommen und bitten muss.   Ich finde sie faszinierend, diese Witwe, die zielsicher ihren Weg geht, die sich von dieser Spur nicht abbringen lässt – und mir fallen viele Menschen ein, von denen ich das gelernt habe. Freilich bin ich mit diesem Weg der inneren Stärke noch lange nicht fertig. Ich will immer wieder lernen von Menschen, die den Kopf hochhalten.   Es gibt unendlich viele Sätze, die ich dann brauchen kann. Und manchmal lege ich mir einen ganz bewusst in die Hosentasche, der es mir so richtig angetan hat – aus dem Psalm 18: Mit meinem Gott überspringe ich Mauern.   Das mag ich an der Bibel überhaupt und an diesem Evangelium erst recht: Die Schrift beschönigt nichts; sie erzählt, welch mühsamen Weg die Witwe zurücklegt und wie viel Kraft es kostet, sie erzählt von den schier unüberwindlichen Mauern. Aber sie zeigt auch, dass es immer einen Weg gibt, manchmal einen, mit dem man gar nicht gerechnet hat.   Um noch einmal auf das Bild vom Anfang zurückzukommen: Stark sein kann ich, weil ich meine Arme wieder freikriege, weil ich eben nicht alles selbst machen muss, weil Er mir den Kopf hochhält – nicht zuletzt durch Menschen, die mich wieder in die Spur bringen, wenn ich mit meinem schweren Kopf dasitze und meine Arme ihn doch nicht stützen können. Und manchmal ist das für mich nicht nur wie eine Stütze, sondern regelrecht wie ein Hochsprungstab, der mir Kraft gibt über alle scheinbar unüberwindlichen Mauern hinweg. Das Evangelium von der Witwe jedenfalls empfinde ich so. Es hebt mir den Kopf und das Herz.   Karl-Heinz Mergenthaler („karl-heinz. mergenthaler@bistum-wuerzburg.de“) ist Leiter der Pfarreiengemeinschaft Don Bosco – Am Salzforst.