Würzburg (POW) Ein Bild vom vielfältigen Wirken der Missionare aus dem Bistum Würzburg hat sich Weihbischof Ulrich Boom bei einer Rundreise durch Bolivien gemacht. Mit deutschen Tugenden leisten sie Wertvolles für die Kirche in Südamerika. Drei Wochen lang war der Weihbischof unterwegs, um Thomas Hermes, Christian Müssig, Axel-Ulrich Gerling, Josef Schnackig und Max Schiller sowie die beiden „weltwärts"- Freiwilligen Mirjam Krönert und Daria Schaller zu treffen. „Ich durfte erleben, wie die Menschen in Bolivien konsequent und selbstverständlich im Alltag ihr Christsein leben." Mit einfachen Mitteln verstünden es die Katholiken in dem Andenstaat, das Evangelium zu verkünden. Anders als eine von Kirchensteuern abgesicherte Kirche in Deutschland fehle der Kirche in Bolivien oft die Unabhängigkeit. „Der Alltag ist geprägt von einem Spagat im Umgang mit Mächtigen und Vermögenden", sagte Weihbischof Boom. Er habe das deutsche Finanzierungssystem durch den Aufenthalt in dem südamerikanischen Land neu schätzen gelernt.
Pater Max Wolfgang Schiller (73) gehört zur Gemeinschaft der Kleinen Brüder und stammt aus Eibelstadt. Schon seit vier Jahrzehnten wirkt er im Hochland. Von der Ortschaft Titicachi aus, auf über 3300 Metern gelegen, betreut er insgesamt zehn Dörfer mit rund 6000 Katholiken. Unter anderem gründete er eine Radiostation in der Sprache der dort ansässigen Indios und schuf Bildungseinrichtungen für Menschen mit Behinderung. „Heute sucht er Wege, wie seine Initiativen in Eigenverantwortung weitergeführt werden können."
Pfarrer Axel-Ulrich „Alejo" Gerling (71) betreut die Landpfarrei Aramasi im Bistum Cochabamba. Gerling ist gebürtig aus Karlstadt und wirkt seit 1973 in Bolivien. Über viele Jahre hinweg initiierte er in der Andenregion landwirtschaftliche Projekte, um die Hochlandbewohner zu motivieren, ihre angestammten Siedlungsgebiete nicht zu verlassen. Landflucht ist auch in Bolivien ein großes Problem mit vielfältigen Folgen. Mittlerweile ist er auch Finanzdirektor der Diözese Cochabamba. „Die Genauigkeit und Zuverlässigkeit, die wir als Deutsche manchmal selbst als belastend erleben, ist für die Menschen in Bolivien eine wertvolle Hilfe", erläuterte der Weihbischof. Ebenfalls aus Karlstadt stammt Pfarrer Josef Schnackig (77). Auch er kam in den 1970er Jahren nach Bolivien. „Bei ihm konnte ich ganz praktisch das katechetische Wirken auf dem Land erleben", berichtete Weihbischof Boom.
Ganz praktische Dinge jenseits des alltäglichen Gemeindelebens hat Pfarrer Christian Müssig (53) in der Pfarrei Heilige Familie in Santa Cruz initiiert. „Er bietet unter anderem Kochkurse an, damit die Familien wieder selbst gesunde Nahrung auf den Tisch bringen. Übergewichtige Kinder und in Folge zahlreiche Fälle von Diabetes bei jungen Menschen haben aufgrund von zu viel Fastfood und Softdrinks massiv zugenommen." Auch bei der Unterstützung der kirchlichen Kliniken vor Ort leisteten Missionare aus dem Bistum Würzburg als Brückenbauer zu unterfränkischen Kliniken wertvolle Dienste, berichtete Weihbischof Boom.
Spirituell zeigte er sich insbesondere vom selbstverständlichen und allgegenwärtigen Umgang mit der Heiligen Schrift beeindruckt. „Die Menschen in Bolivien leben praktisch mit der Bibel." Das konnte er in der Pfarrei von Pfarrer Thomas Hermes (58) bei einem Treffen der Basisgemeinden der Erzdiözese Santa Cruz erleben. Eine Visite bei Erzbischof Edmundo Abastoflor von La Paz gehörte auch zum Besuchsprogramm. Mit ihm ist der Weihbischof schon seit langen Jahren freundschaftlich verbunden.
Junge Priester und pastorale Mitarbeiter aus Unterfranken gibt es zurzeit nicht in Bolivien. „Vielleicht ist eine neue Spur das Engagement der ‚weltwärts'-Freiwilligen. Hier lernen und helfen auf ein Jahr befristet junge Menschen wie Mirjam Krönert und Daria Schaller", sagte der Weihbischof. Für die beiden jungen Frauen ging während seines Besuchs ihr fast einjähriges Engagement zu Ende. „Ich durfte die Verabschiedung Krönerts in im Andendorf Titicatchi miterleben. Es war förmlich greifbar, wie herzlich verbunden beide Seiten waren."
mh (POW)
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