Das St.-Afra-Kloster
[H. Bauer: St. Afra, das Benediktinerinnenkloster, in: 100 Jahre Kilianeum, 1871-1971, Festschrift zur 100-Jahr-Feier des Kilianeums Würzburg, Würzburg 1971, S. 148-163; hier: S. 154-156] Das neue Kloster zur heiligen Afra: (1673-1803) ...
Die alte Befestigung der Stadt war den Erfordernissen der neuen Zeit mit ihrer gesteigerten Kriegskunst nicht mehr gewachsen. Am 23. Februar 1656 zeigte Johann Philipp von Schönborn in einem Schreiben an die Stadträte seinen Beschluss zur "Fortification" der Stadt an. Damit war im Grunde auch das Schicksal des alten St.-Afra-Klosters besiegelt. Die Abbrucharbeiten des St.-Afra-Klosters werden1670/71 begonnen haben. ...
Fürstbischof Johann Philipp sorgte aber dafür, daß die Benediktinerinnen einen neuen und sicheren Platz innerhalb des neuen Befestigungsringes erhielten. Der schon seit einiger Zeit aufgelassene Friedhof zwischen Stephanstor und Konradsturm mit der kleinen St.-Michaels-Kirche schien der rechte Platz zu sein. Der Baubeginn wurde auf den 10. Mai 1670 festgelegt. ...
Ein großer Klostergarten grenzte an die Kirche. "Der guterhaltene Kreuzgang hat Kreuzgewölbe zwischen breiten Gurten. Die Grate sind mit stuckierten Leisten verkleidet. Die Gewölbe ruhen auf Renaissancekonsolen, die von sehr gut empfundenen Engelsköpfen getragen werden. Die Fenster sind rundbogig mit nachgotischem Maßwerk aus rotem Sandstein, zweigeteilt." (Aus Kunstdenkmäler) Über das Leben und die Tätigkeit der Benediktinerinnen in St. Afra sind wir für diese 130 Jahre etwas besser unterrichtet. Allein das zur Versteigerung vorgelegte Inventarverzeichnis zeigt die Vielfalt der Tätigkeiten dieses Frauenklosters auf. Man legte großen Wert auf Kultur und Geschmack. Die letzten Reste, die bei der Versteigerung im Jahre 1803 aufgezählt werden, zeugen noch ein wenig davon. 3 Spinetts, Zinngeschirr im Werte von 432 fl, 17 Porzellankrüge, 15 geblümte Porzellanteller, 1 Kaffeeservice mit 12 Tassen aus Fayence, Kupferpfannen, 59 Sessel von Plüsch und Leder, wertvolles Möbel. Vor allem aber war die Paramentstickerei der Stolz dieses Klosters. ...
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Das bittere Leid der Klosteraufhebung nach 700 Jahren ununterbrochener Tätigkeit in der Stadt Würzburg mußte Äbtissin M. Rosalia Dietrich aus Würzburg tragen.
Die Auflösung des Klosters 1803 ...
Am 24. April 1803 wurde die Abtei von der bayerischen Regierung aufgelöst und zum Staatseigentum erklärt. Am 12. Juli 1803 kam die Anordnung, das Kloster innerhalb von drei Tagen zu räumen. ...
Eine fast 700jährige Wirksamkeit wurde gewaltsam beendet. Die Benediktinerinnen siedelten zum Teil in andere Benediktinerinnenklöster um oder wurden in das Annastift zu Würzburg aufgenommen. Das alte St.-Afra-Kloster gehörte zu den ältesten Klostergründungen der Diözese Würzburg. Eine großartige Tradition war zu Ende. Am 8. Januar 1805 wurde das säkularisierte Kloster unter den Hammer gebracht. Das Inventar war schon im Sommer 1803 verkauft worden. Die Kunde von der Auflösung des Klosters sprach sich schnell herum und alarmierte besonders jene Gemeinden, die gerade eine neue Kirche bauten. Sie hofften, einige angebotene Stücke für ihre Kirchen zu gewinnen.
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