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Kilianeum - Haus der Jugend  > Das Kilianeum  > Historisches

Anekdoten und Historisches

Auszüge aus verschiedenen Werken


Theiss, Christian

 "Das bischöfliche Knabenseminar Chilianeum zu Würzburg im Königreich Bayern"

unveröffentlichte Arbeit, Würzburg 1994, 105 S. 

 

Die Eröffnung des bischöflichen Knabenseminars datiert auf den 5. Oktober 1871.

Der bescheidene Anfang mit 30 Zöglingen vollzog sich ... unter der Obhut des Bischofs Valentin Reißmann. ... Die Eröffnung eines seminarium puerorum war die Hinterlassenschaft seines Vorgängers Georg Anton von Stahl. Dieser hatte fast während der gesamten Zeit seines bischöflichen Wirkens die Begründung eines solchen Seminars gefordert ... Sie legten damit den Grundstein für ein Erziehungsinstitut, welches bis in unsere Tage hinein einen wichtigen Stützpfeiler für den Priesternachwuchs der Diözese Würzburg bildete. So entschieden sich von den rund 1250 Abiturienten bis 1971 ungefähr 600 für den Priesterberuf, worunter auch hohe geistliche Würdenträger waren. Die Münchner Kardinäle Faulhaber und Döpfner, welche, sowohl als Schüler als auch als Präfekten im Haus an der Ottostraße zu finden waren, Bischof Schlembach von Speyer, der verstorbene Bamberger Erzbischof Hauck und schließlich die derzeitigen Weihbischöfe von Würzburg Kempf [+ 1999] und Bauer, letzterer war von 1969-1981 Direktor, sind ein Zeichen dafür, wie erfolgreich das Seminar seine Aufgabe erfüllt hat, nämlich der Heranbildung des Diözesanklerus zu dienen." (S. 3)

Bereits im Jahr 1880 wurde der Ostflügel des ehemaligen St. Afra-Klosters für 162.000 Mark hinzu gekauft. (S. 82)

"Die Zöglinge des Chilianeums waren ein wichtiger und bestimmender Bestandteil am Kgl. Neuen Gymnasium geworden, in welchem sie regelmäßig die besten Leistungen brachten, ohne eine übergroße Sonderrolle zu spielen. Die Ableistung des vorgeschriebenen Fächerkanons war auch für sie verpflichtend." (S. 84)

Das Leben im Chilianeum

"Die Grundlage des täglichen Lebens im Seminar bildete die seit 1871 nahezu unverändert gültige Hausordnung." (S. 85)

"Trotz dieser strengen geistlichen Führung war das Ergreifen des Priesterberufes am Ende der Ausbildung keine Selbstverständlichkeit gewesen, wie der Abiturjahrgang 1912 zeigte. So wurden von 18 Abiturienten des Seminars nur 7 später auch zum Priester geweiht." (86f.)

"Trotz der Inflation 1923 und dem damit verbundenen Verfall des Stiftungsvermögens gelang es Regens Dr. Kilian Meisenzahl, mit Hilfe einer Intervention Faulhabers in München, das Waisenhaus anzumieten und für die Zwecke des Seminars nutzbar zu machen. Auf Grund dessen konnte die Schülerzahl auf 200 steigen, was aber noch immer nicht für den weiterhin ungebrochenen Ansturm an Anmeldungswünschen ausreichend war, so daß 1927 ein weiteres Kilianeum für das Untermaingebiet in Miltenberg eröffnet wurde. ... [In diese Zeit ] fiel auch der Ankauf des Waisenhauses, der u.a. durch die erstmalig gewährten staatlichen Zuschüsse in Höhe von 20.000 RM ermöglicht wurde. Nach dem Wechsel im Regentenamt 1930 zu Dr. Vincenz Fuchs befürwortete die Diözesansynode 1931 einen umfassenden Umbau des Hauses. Da schon 1932 Dr. Philipp Kaiser als Leiter nachfolgte, ging der Generalumbau unter seiner Ägide über die Bühne. In der Zeit von 1935-1938 wurde das Knabenseminar, das nun alle Gebäudeteile des ehem. St. Afra-Klosters zur Verfügung hatte, zu einem modernen Internat ausgebaut, und das Stückwerk vergangener Baumaßnahmen zu einem Gesamtkonzept vereinigt. Auch eine neue Hauskapelle wurde im ehem. Waisenhaustrakt an der Südseite 1938 von Bischof Matthias Ehrenfried geweiht. In diesen Zeitabschnitt fielen auch die ersten Meinungsverschiedenheiten mit den Machthabern des Dritten Reiches, welche die Kilianisten stärker in ihren Erziehungsapparat einbinden wollten." (88)

Enteignung

"Der Höhepunkt des Kirchenkampfes gegen das bischöfliche Knabenseminar Kilianeum ... (war) die Enteignung des Gebäudes in Würzburg. ...
... als nach langwierigen Verhandlungen über die Vermietung zu Polizeizwecken das Ordinariat einer Überlassung näher gerückt war, (ordnete) der Reichsführer SS Heinrich Himmler durch den Oberbürgermeister Memmel am 17.12.1940 die Enteignung (an) ...

Zerstörung

Der 16. März brachte auch für die Gebäude des Kilianeums die totale Zerstörung, so daß der Internatsbetrieb nach Kriegsende zuerst in Münnerstadt und dann im Würzburger Vinzentinum wieder beginnen konnte. Nach der Rückübereignung der Gebäuderuinen 1946 durch die Militärregierung begann der Wiederaufbau, so daß im Jahre 1948 dann schon wieder die ersten Klassen einziehen konnten, denen dann 1949 der Rest nachfolgte. Endgültig fertiggestellt wurde das Haus 1952, welches Bischof Julius Döpfner feierlich einweihte.

Die 50er und 60er Jahre

Die fünfziger und sechziger Jahre waren gekennzeichnet durch eine ständig steigende Zahl von Schülern, welche 1964 den Höchststand von 270 erreichte. Diese Entwicklung machte die Eröffnung eines dritten Internates in Bad Königshofen notwendig, aber auch eine Erweiterung in Würzburg, die 1965 von Regens Wehner in Angriff genommen wurde. Dieser konnte aber die Vollendung der neuen Kapelle nicht mehr erleben, da er 1968 bei einer Abiturfahrt mit Kilianisten in Spanien vom Blitz erschlagen wurde. Sein Nachfolger, der jetzige Weihbischof Helmut Bauer, leitete die Geschicke des Hauses bis 1982. In diese Zeit fiel die glanzvolle Hundertjahrfeier und eine umfassende Generalsanierung des marode gewordenen Gebäudes [1978-1982]. Als diese(r) fertiggestellt war, konnte das Kilianeum mit Recht als eines der modernsten Internate Deutschlands bezeichnet werden.

Der Anfang vom Internatsende

Doch mit Beginn der achtziger Jahre machte sich bei den Schülerzahlen ein Trend bemerkbar, der andere bischöfliche Internate schon zu Beginn der siebziger Jahre die Pforten schließen ließ. Trotz des modernen Gebäudes mit Hallenschwimmbad und Sporthalle sank die Schülerzahl von 1980 – 1993 von 150 auf 50 Schüler, so daß, trotz der eben erfolgten 12 Millionen Investition laut über die Schließung des Hauses nachgedacht wird. ... Trotz zahlreicher Werbekampagnen ... und der weltoffenen und positiven Atmosphäre im Internat konnte dieser Einbruch nicht verhindert werden." (89f.)

Das Kilianeum erfüllte die Zweckbestimmung bis in die fünfziger Jahre zur Zufriedenheit der Diözese.

"So wurden von den ca. 480 Abiturienten der ersten 50 Jahre 288 zum Priester geweiht (60%). Aber auch bis 1971 waren noch 294 Priesterberufe dabei, wobei aber ca. 750 Schüler das Seminar mit dem Abitur verlassen haben, was immer noch 39,2% entspricht."

 

Winkler, F.:
Das Problem der Internatserziehung in Vergangenheit und Gegenwart, Donauwörth 1925, S. 91.] (99)

"‘Wie wertvoll die Internate sind, kann, wer von bayerischen Verhältnissen als den allein ihm bekannten ausgeht, ermessen, wenn er es sich überlegt, daß gerade die besten und führenden Männer aller Kreise aus den staatlichen Internaten in München, Würzburg, Neuburg, den Benediktinerstiften Metten und St. Stephan in Augsburg und so weiter hervorgegangen sind. Man darf ruhig sagen, daß die meisten von ihnen überhaupt nicht zum Studium und zu einem höheren Berufe gekommen wären, wenn nicht diese vortrefflichen Anstalten sie aufgenommen hätten. Das gilt besonders auch für katholischen Knabenseminare, die an der wohlwollenden Fiktion, lauter künftige Priester aufzunehmen, allen Enttäuschungen zu Trotz festhalten. (...) Bayern wäre um viele seiner besten Köpfe ärmer, wenn sie nicht existierten.‘"